“Ist eine Schwangerschaft auszuschließen?” fragt mich die nette zahnmedizinische Assistentin vor dem Röntgen.
Ich schaue sie von der Seite an, um festzustellen, ob sie sich über mich lustig macht.
Zugegeben: Ich habe kürzlich etwas mehr für mein Make-up ausgegeben als üblich, aber dass die Wirkung so ...
“Ich denke nicht - mit 52”, entgegne ich belustigt und auch ein wenig geschmeichelt.
“Naja, das weiß man ja heutzutage nicht, in Hollywood passiert das ja schon ab und zu. Vielleicht sehen Sie heute ein bisschen nach Hollywood aus.” (!!!!!!!!!!!!!!)
Nun gut, das will ich auch gar nicht zerreden.
Bei Arztbesuchen neige ich nämlich zum Zerreden, also eigentlich zum Reden im Allgemeinen. Damit meine ich nicht den normalen höflichen Smalltalk sondern ganz furchtbares Sabbeln gepaart mit zotigen Witzen - je nach Grad der Anspannung.
Beim Zahnarzt kann es erfahrungsgemäß sehr schlimm werden.
Bei meinem letzten Zahnarzt, der ein wenig wie Bastian Pastewka aussah, habe ich das ganze Behandlungszimmer unterhalten.
Daran war aber bestimmt auch sein Aussehen schuld und natürlich der Verlust eines Backenzahnes.
Besonders schlimm war es neulich im Krankenhaus vor meiner ersten Vollnarkose.
Bereits auf dem Weg in den OP habe ich den Anästhesisten in verbale Geiselhaft genommen über das Leben im Allgemeinen, seine blauen Augen, die neuesten Qualitätsstandards des Oldesloer Krankenhauses und die Frage, warum Pizza nicht in runden Pappen geliefert wird, bis ihm schließlich nichts anderes mehr blieb, als mich mit einer wahrscheinlich doppelten Dosis und den Worten “Macht doch nichts” und “gute Reise” endgültig in unbekannte Sphären zu schießen.
Ich fand das sehr schade, da ich ihm gern noch vorher einen Heiratsantrag gemacht hätte. Das kommt nämlich noch erschwerend hinzu: In diesen angespannten Arzt-Situationen entwickle ich schnell ein abgeschwächtes Stockholm-Syndrom, verliebe mich kurzfristig in meinen Peiniger und wäre durchaus zu spontanen Treueschwüren bereit - nur damit man mir wohl gesonnen bleibt.
Wir werden also sehen, was mit dem Zahnarzt wird. Das ist eine Frage des Behandlungsplans.
Jetzt fühl ich mich erstmal Hollywood.
(Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.)